Warum ich Genosse bei Hostsharing wurde

Der alte Root-Server macht es nicht mehr lange. Was tun? Einen neuen Server buchen? Oder mal etwas anderes ausprobieren?

Mein Root-Server ist in die Jahre gekommen. Er läuft mit dem Linux-Kernel 2.6, die Distribution wird nicht mehr gepflegt und die Hardware ist veraltet. Was tun? Zweimal bin ich bisher mit meinen Websites auf einen neuen Server umgezogen. Jedesmal war es für mich ein vergleichsweise großer Aufwand mit viel negativem Stress.

Wie alles begann

Seit 15 Jahren habe ich einen eigenen Server. Im August 2002 fing ich an, meine Websites mit dem CMS Plone selbst zu hosten. Vorher war ich einige Monate Gast auf dem Server einer Firma, die Zope-Lösungen entwickelte. Dort betrieb ich zunächst eine Website auf Basis von Zope, bevor ich – vermutlich als einer der ersten Zope-Anwender in Deutschland – zu Plone wechselte. Damals war ein eigener Server unabdingbar, um Plone-Sites zu hosten. Vor dieser Zeit, im letzten Jahrhundert, bestanden meine Websites aus statischen HTML-Seiten, die ich mit WML generierte und mit FTP in meinen Webspace bei meinem Provider hochlud.

Weniger ist mehr

Ich nutzte meinen Server also hauptsächlich für Plone. Plone selbst ist zwar ein wartungsarmes System. Aber die Administration eines Servers macht immer Arbeit. Ich musste mir viel Know-how aneignen und ständig auf dem Laufenden bleiben, insbesondere beim Thema Sicherheit. Wenn dann die Festplatte kaputt geht und man ein Backup einspielen darf, wenn man die Distribution aktualisiert oder auf neue Hardware umzieht und alles neu konfigurieren darf, dann fragt man sich irgendwann, ob das alles wirklich sein muss.

Als ich den statischen Website-Generator Hugo entdeckte, beschloss ich, mich zu verkleinern. Ich verabschiedete mich nach 15 Jahren von Plone und stellte – noch auf dem alten Server – eine Website nach der anderen auf Hugo um.1

Eine neue Hostinglösung muss her

Jetzt stellte sich bloß noch die Frage, wo ich meine Websites zukünftig hosten sollte. Zu einem Massenhoster wollte ich nicht. Cloudlösungen bei US-Firmen schieden aus Datenschutzgründen aus. Obwohl mein Ziel war, mich zu verkleinern, wollte ich gleichzeitig mehr Kontrolle über meine Internet-Aktivitäten. Ich hatte auf meinem eigenen Server beispielsweise nie einen Mailserver betrieben, weil mir dazu das Know-how fehlte. Nun aber wollte ich für meine Domains auch das Mailsystem selbst betreiben. Und ich suchte eine Hostinglösung, die mir die Option gibt zu wachsen, wenn mir das Verkleinern zu langweilig wird. Vielleicht möchte ich in zwei oder drei Jahren einen Diaspora-Server aufsetzen, eine private Cloud einrichten oder doch wieder ein CMS für meine Websites einsetzen. Ich wollte also mehr Möglichkeiten und mehr Kontrolle bei deutlich weniger Aufwand. Im Grunde kam dafür nur eine Managed-Server-Lösung in Frage, die teurer als mein bisheriger Root-Server geworden wäre.

Beruflich habe ich mit einigen Unternehmen zu tun, die auf Basis der DevOps-Philosophie skalierbare Plattformen für Webanwendungen betreiben. Diese Firmen wenden sich jedoch ausschließlich an professionelle Anwender, sodass ihr Angebot für mich zu teuer ist. Aber ich stieß in diesem Umfeld wieder auf die Hostsharing eG, bei der ich schon 2001 beinahe Mitglied geworden wäre. Und plötzlich war alles klar.

Die Hosting-Genossenschaft bietet auch kleine preiswerte Webpakete für Leute, die wie ich nur ein wenig bloggen wollen. Über ein Web-Interface kann man Domains, Datenbanken, Benutzer und E-Mail-Postfächer verwalten, ohne sich mit der Konfiguration der einzelnen Programme auseinandersetzen zu müssen. Wenn das Webpaket zu klein wird, kann man es vergrößern, indem man RAM oder Speicherplatz hinzubucht, oder man zieht mit seinem Paket auf einen Managed Server um: ohne jede Neukonfiguration.

Drei Monate kostenlos testen

Hostsharing bietet eine dreimonatige kostenlose Testphase an. Ich hatte also reichlich Zeit, um das Webpaket auf Herz und Nieren zu prüfen. Das Einrichten der Postfächer und meiner statischen Webseiten machte wie erwartet keine Probleme. Ich installierte zusätzlich aber auch WordPress, Etherpad, Gogs und sogar Plone in dem kleinen Webpaket. Diese Programme funktionierten auf Anhieb.

Bei Fragen wendete ich mich direkt an den Service, der auch umgehend antwortete. Erst später entdeckte ich, dass es auch eine Mailingliste gibt, auf der sich die Mitglieder bei Problemen gegenseitig helfen.

Technisch hochkarätiges Hosting

Wenn man die Preise von Hostsharing mit anderen Anbietern vergleicht, sollte man genau hinschauen, was man bekommt. Hostsharing bietet dem Anwender nämlich schon im kleinsten Webpaket redundante Infrastruktur mit Replikation auf ein Hot-Standby-System, Monitoring und Remote-Backup. Wenn also im Server die Festplatte kaputt geht oder das Netzteil durchbrennt, merkt man als Anwender davon nichts. Das Standby-System springt ein, bis die Hardware ausgetauscht ist. Wer viel mit Datenbank-Transaktionen zu tun hat oder im Fall eines Hardware-Defekts keine E-Mails verlieren möchte, weiß ein solches Feature zu schätzen.

Hostsharing bietet also Hosting auf technisch hohem Niveau. Das beeindruckte mich, gab mir das Gefühl, in guten Händen zu sein, und ließ mich hoffen, in Zukunft mit weniger Aufwand mehr zu erreichen. Aber ein anderer Grund war letztlich ausschlaggebend für meine Entscheidung, zu Hostsharing zu wechseln.

Genosse werden

Hostsharing ist eine Genossenschaft. Um Leistungen von der Genossenschaft zu beziehen, muss man Mitglied werden. Dann ist man nicht nur als Kunde König, sondern hat als Miteigentümer der Firma auch wirklich etwas zu sagen. Man bestimmt mit über die Geschäftspolitik und wählt den Vorstand sowie den Aufsichtsrat.

Eine Genossenschaft arbeitet nicht gewinnorientiert, sondern im Interesse ihrer Mitglieder. Die Leistungen werden zu kostendeckenden Preisen angeboten und Gewinne in Verbesserungen investiert.

Als Genosse kaufe ich Leistungen quasi im eigenen Unternehmen ein, das wirtschaftlich unabhängig ist. Diese wirtschaftliche Unabhängigkeit hat Vorteile. Wenn ich die Community unterstütze, indem ich meine Fähigkeiten einbringe und zum Beispiel Dokumentation schreibe, dann kommt dieses Engagement ausschließlich uns, den Genossen, zugute. Ich mache damit nicht das Angebot einer Firma attraktiver, die letztendlich die Gewinnerwartungen eines Investors befriedigen muss. Wenn Hostsharing beispielsweise durch diesen Artikel neue Mitglieder gewinnt und sich dadurch die Kostenstruktur verbessert, kann die Genossenschaft vielleicht die Ausstattung meines Webpakets verbessern. Unabhängigkeit heißt: wirtschaftliche Vorteile werden an die Mitglieder der Genossenschaft weitergegeben und nicht an einen Investor.

Was man bei Hostsharing nicht findet, sind Dumping-Preise, mit denen in kürzester Zeit möglichst viele neue Kunden angelockt werden sollen. Niedrigstpreise und Umsonstangebote kann es nur geben, wenn ein Investor das schnelle Wachstum durch viel Kapital vorfinanziert oder sich das Unternehmen verschuldet. Im Moment ist so viel notgeiles Kapital auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten, dass an Billigstangeboten kein Mangel herrscht. Wer diese Gelegenheiten nutzen will, soll es gerne tun, als kleiner Blogger habe ich auch so meine Preisempfindlichkeiten. Aber mir sind andere Dinge wichtiger. Ich will Kontinuität und Zuverlässigkeit. Hostsharing wächst aus eigener Kraft und das seit 17 Jahren. Die Mitglieder der Genossenschaft sind offensichtlich zufrieden.

Und außerdem wollte ich immer schon einmal Genosse werden. ;-)


  1. Meinen Hugo-Workflow auf Hostsharing beschreibe ich hier [return]