ZeroNet

Dezentrale Websites mit BitTorrent- und Bitcoin-Technologien pflegen

Das interessanteste Dezentralisierungsprojekt, das ich in den letzten Monaten kennengelernt habe, ist ZeroNet. Es ist in Python programmiert und nutzt BitCoin- und Bittorrent-Technologien dazu, um Websites digital zu signieren und zu verteilen. Mehr dazu erfährt man in der Dokumentation.

Grob gesprochen funktioniert ZeroNet folgendermaßen. Bei der Installation von ZeroNet wird ein Schlüssel erzeugt. Wenn man eine Website in ZeroNet anlegt, signiert man sie mit seinem Schlüssel und veröffentlicht sie in ZeroNet. Die Website ist sofort unter einer ZeroNet-URL erreichbar und kann von anderen Personen heruntergeladen werden. Dieses Herunterladen geschieht über die Bittorrent-Technologie, das heißt, jeder, der eine Website herunterlädt, um sie zu lesen, verteilt sie auch gleichzeitig im Netz. Wenn man eine Website heruntergeladen hat, folgt man ihr quasi. Sie wird automatisch aktualisiert, wenn der Besitzer der Website eine neue Version veröffentlicht.

Wie sieht ZeroNet aus?

Die Benutzeroberfläche von ZeroNet ist sehr bedienerfreundlich. Sobald man ZeroNet startet, kann man unter der URL http://127.0.0.1:43110 aufrufen.

Startbildschirm von ZeroNet

Startbildschirm von ZeroNet

Der Startbildschirm besteht aus einer eigenen Website mit dem Namen ›ZeroHello‹. Sie enthält Links zu einigen Websites, die man sofort aufrufen kann. Eine der verlinkten Websites ist der Blog der ZeroNet-Entwickler: ZeroBlog.

ZeroBlog ist der Blog der ZeroNet-Entwickler. Wenn man ihn klont, kann man einen eigenen Blog in ZeroNet betreiben.

ZeroBlog ist der Blog der ZeroNet-Entwickler. Wenn man ihn klont, kann man einen eigenen Blog in ZeroNet betreiben.

Das Faszinierende ist, dass man jede Website klonen und als eigene Website nutzen kann. Man erreicht den Klon-Befehl über das Kontext-Menü in ZeroHello bei der entsprechenden Website. Man kann anschließend die alten Inhalte löschen und den geklonten Blog mit dem privaten Schlüssel signieren und veröffentlichen.

Hier ist ein Beispiel für einen Blog, der von ZeroBlog geklont wurde:

Ein Blog in ZeroNet

Ein Blog in ZeroNet

Weitere Websites, die nach der Installation von ZeroNet zur Verfügung stehen, sind ZeroTalk, eine Art Diskussionsforum und 0List eine Linksammlung, wo man zum Beispiel die Adresse seiner eigenen ZeroNet-Website bekannt machen kann.

ZeroTalk ist ein Forum, das ähnlich funktioniert wie Reddit.

ZeroTalk ist ein Forum, das ähnlich funktioniert wie Reddit.

ZeroList ist eine Linksammlung mit Ratingfunktion.

ZeroList ist eine Linksammlung mit Ratingfunktion.

Diese Klon-Funktion macht ZeroNet zu einem System, das kinderleicht zu bedienen ist. Natürlich ist möglich, statische Websites jeder Art, in ZeroNet zu veröffentlichen. Mit einem einfachen Befehl auf der Kommandozeile erzeugt man eine neue ZeroNet-Website, die im Grund so funktioniert wie der FTP-Ordner auf einem beliebigen Web-Hoster. Man muss nur in einem Datenordner eine statische Website aufbauen (zum Beispiel mit Hugo) und anschließend die Website mit einem anderen Befehl auf der Kommandozeile signieren und veröffentlichen. Ein Beispiel für ein solche Website ist die Dokumentation von ZeroNet, die auch im Internet erreichbar ist.

Wenn man das Menü in der rechten oberen Ecke, über das man immer wieder zur Startseite von ZeroNet (ZeroHello) zurückkehren kann, nach links zur Seite schiebt, wird das sogenannte unsichtbare Menü sichtbar. Es liefert zusätzliche Informationen zur gerade angezeigten Website.

Im sogenannten Hidden Menu erhält man Zusatzinformationen zur Website. Auf der Erdkugel werden die Peers angezeigt, die die Website geladen haben und weiterverteilen.

Im sogenannten Hidden Menu erhält man Zusatzinformationen zur Website. Auf der Erdkugel werden die Peers angezeigt, die die Website geladen haben und weiterverteilen.

Das Menü enthält diverser Statistiken. In der Weltkugel sind die Knoten angezeigt, die die Website heruntergeladen haben und daher auch ausliefern.

Die Vorteile von ZeroNet

Websites ohne Infrastruktur betreiben

Mit ZeroNet kann man eine Website nahezu ganz ohne Infrastruktur betreiben. Man benötigt lediglich einen Computer mit Internetzugang, wobei ein temporärer Zugang, zum Beispiel über einen Freifunk-Router völlig ausreicht. Man benötigt keinen Server im Internet und muss folglich auch keine Verträge mit Providern abschließen. Je populärer die Website wird, um so mehr Peers liefern sie auch aus, sodass das System im Prinzip unbegrenzt skaliert. Man muss nicht dauernd mit dem Internet verbunden sein, um eine Website zu pflegen. Es reicht, wenn man online geht, um sie zu aktualisieren.

Anonyme Websites betreiben

Da man keinen Server benötigt, um eine Website zu betreiben, kann man seine Website ohne Aufwand unter einem Pseudonym betreiben. Wenn man völlig anonym bleiben möchte, kann man ZeroNet über Tor betreiben, sodass die IP, mit der man ins Netz geht, verschleiert wird.

Unzensierbare Websites betreiben

Da Websites nicht von einem zentralen Server ausgeliefert werden, ist eine Blockade oder eine Zensur von Websites so gut wie ausgeschlossen. Da die Website dezentral über einzelne Rechner ausgeliefert wird, müsste ein Zensor die Website auf allen diesen Rechnern löschen oder die entsprechenden IP-Adressen blockieren.