Movim

Kick Ass Social Network on top of XMPP

19.01.2018

Wer diesem Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich ein Faible für Dinge habe, die sich abseits des Mainstreams entwickeln. Auch in diesem Beitrag geht es um eine Software, die kaum jemand kennen dürfte: Movim.

Movim ist ein verteiltes Soziales Netzwerk, das auf XMPP aufbaut. XMPP ist ein offenes und standardisiertes Instant Messaging Protokoll, das unter anderem die Grundlage für den Messenger-Dienst Jabber bildet. Seitdem der US-Dienst WhatsApp den Messenger-Markt beherrscht, ist XMPP etwas in Vergessenheit geraten, obwohl auch WhatsApp XMPP nutzt. Allerdings sperrt man andere Clients aus, um einen Walled Garden zu schaffen. Vendor-Lock-in ist halt das Ziel der allermeisten IT-Konzerne. Trotzdem dürften die meisten Leser schon einmal von XMPP gehört haben. Im IT-Umfeld benutzen viele XMPP-Clients, um miteinander zu chatten. Sowohl der Chaos Computer Club als auch die Piratenpartei betreiben Server, auf denen man sich ein Konto anlegen kann. Außerdem bieten einige E-Mail-Dienstleister ihren Kunden ein Jabber-Konto an. XMPP ist also ein bewährtes und recht verbreitetes Protokoll, so dass ich es lohnend fand, mir einmal Movim aus der Nähe anzuschauen.

Anmeldung mit einem Jabberkonto des CCC

Anmeldung mit einem Jabberkonto des CCC

Da Movim XMPP-Konten zur Authentifizierung nutzt, muss man kein neues Konto auf einem Movim-Server einrichten, sondern kann sich mit seiner Jabber-Adresse bei einem beliebigen Movim-Server anmelden.

Nach der Anmeldung gelangt man zur Timeline, die in Movim »Neuigkeiten« heißt. Auf ihr sind neue Nachrichten von Kontakten oder aus den »Gemeinschaften« aufgelistet.

Die Startseite mit verschiedenen Timelines

Die Startseite mit verschiedenen Timelines

Eine Nachricht in Movim

Eine Nachricht in Movim

Die Artikel in Movim ähneln denen aus anderen Sozialen Netzwerken. Jede Nachricht hat einen Titel. Wenn ein Link geteilt wird, extrahiert Movim automatisch das Titelbild und die Beschreibung der Webseite. In dem Screenshot rechts ist ein Beispiel zu sehen.

Man kann Nachrichten liken, kommentieren und teilen. Die Autoren der Nachricht können diese nachträglich bearbeiten und löschen.

Kontakte

Im Menü Kontakte findet man seine Kontakte, mit denen man Sofortnachrichten austauschen kann. Wenn man sich mit seiner Jabber-Adresse anmeldet, findet man hier seine üblichen Kontakte. Movim funktioniert in dieser Hinsicht also wie ein klassischer Jabber-Client.

Gemeinschaften

Unter dem Begriff Gemeinschaften verbergen sich Gruppen, in denen einzelne oder mehrere Benutzer gemeinsam Nachrichten posten können.

Die Übersichtsseite über die Gemeinschaften

Die Übersichtsseite über die Gemeinschaften

Wenn man ein Konto direkt auf einem Movim-Server hat, kann man hier auch eigene Gemeinschaften anlegen.

Chats

Übersicht über Gruppenchats

Übersicht über Gruppenchats

Das Menü Chats führt zu Gruppen-Chats. Hier kann man auch Chats auf dem eigenen Jabber-Server anlegen. Ich kann also mit meinem CCC-Konto zum Beispiel einen Movim-Chatraum auf conference.jabber.ccc.de anlegen.

Clients für alle Betriebssysteme

Movim nutzt HTML5 für die Benutzeroberfläche. Daher gibt es Clients für viele Betriebssysteme inkl. Android.

Wird das noch was?

Movim ist kein ganz junges Unterfangen mehr. Es wurde schon 2010 gegründet. Ein Soziales Netzwerk, das nach 8 Jahren noch nicht die kritische Masse an Nutzern erreicht hat, wird vermutlich niemals Erfolg haben. Über die Gründe kann man trefflich spekulieren. Vielleicht denken die vielen XMPP-Nutzer, die es ja gibt, dass XMPP ein Messenger-Protokoll ist und mehr nicht. Oder die Entscheidung, Movim in PHP zu programmieren, war unglücklich. Diaspora und Mastodon – zwei Netzwerke, die deutlich mehr Erfolg haben – sind beispielsweise in Ruby programmiert.

Als ein Soziales Netzwerk, das auf XMPP aufbaut, integriert Movim die ausgereiften Messenger-Dienste von XMPP mit den typischen Social-Media-Diensten. Mastodon und Diaspora leisten da sehr viel weniger.

Am Ende kommt es wohl nur darauf an, wie stark ein Soziales Netzwerk die Eitelkeiten seiner Nutzer befriedigt.