Briar

Der Messenger, der so cool ist, dass ihn nicht nur Whistleblower, Aktivisten, Revolutionäre und investigative Journalisten nutzen sollten.

Metropol Parasol in Sevilla

14.5.2018

Jan Ulrich Hasecke

Zusammenfassung
  • Briar schützt vor Überwachung und Zensur
  • Smartphone des Partners scannen und loschatten.
  • Private Gruppen-Chats, Foren, Statusnachrichten, RSS-Feeds lesen
  • Alle Freunde bei WhatsApp? Dann fang doch selbst was Neues an!

Vor einiger Zeit wurde der Messenger Briar in der Version 1.0 veröffentlicht. Eine solches Release ist immer ein Einschnitt. Die Beta-Phase der Entwicklung ist offiziell beendet. Man hat es mit einem fertigen Programm zu tun, das man an seinen Ansprüchen messen kann. Und die sind hoch gesteckt. Briar will uns umfassend gegen Zensur und Überwachung schützen.

Briar schützt vor

  • der Überwachung von Metadaten (Wer mit wem chattet),
  • der Überwachung der Inhalte (Worüber gechattet wird),
  • der Zensur von Inhalten durch Filter,
  • der Unterbrechung des Chats durch Takedown-Order,
  • Denial-of-Service-Attacken,
  • der Unterbrechung von Kommunikation durch Ausschalten des Internets.

Warum soll das interessant sein? Der ungebrochene Erfolg von WhatsApp, Facebook, Google und Twitter beweist uns doch, dass die Menschheit durchaus gerne überwacht wird und auch keinerlei Probleme damit hat, zensierte Medien zu lesen. Bloß eine verschwindend kleine, aber hoffentlich wachsende Minderheit sieht das anders. Und für diese Menschen ist Briar gedacht.

Das reicht aber nicht. Ein Messenger, der uns vor Überwachung und Zensur schützt, interessiert fast niemanden. Ich möchte euch Briar deshalb heute als richtig cooles Teil präsentieren.

Wenn du mit jemanden unter vier Augen sprechen willst, dann ziehst du dich mit ihm oder ihr in ein Zimmer zurück. Genau so ist es bei Briar. Wenn du mit jemandem vertraulich chatten willst, dann scannt gegenseitig die QR-Codes auf euren Smartphones. Danach könnt ihr sofort chatten, ohne dass jemand davon etwas mitbekommt. Und das Beste. Keine Telefonnummer aus deinem Adressbuch landet auf einem Server jenseits des Atlantiks.

Dein Freund oder deine Freundin kennt da diesen spannenden Menschen? Und du möchtest auch mit ihm chatten? Dann frag deinen Freund oder deine Freundin, ob sie euch miteinander bekannt macht.

Du willst mit drei Leuten gleichzeitig chatten? Aber niemand soll neue Leute in den Chat holen außer dir? Dann mach einen privaten Gruppen-Chat auf.

Du möchtest mit möglichst vielen Leuten über Tatoos chatten? Dann geh doch einfach in ein Tatoo-Forum oder eröffne ein solches Forum. Da du hoffentlich mit einem Pseudonym unterwegs bist, kannst du dort auch ganz offen über Intim-Tatoos reden.

Wenn du deine Freunde wie bei Twitter mit Statusnachrichten nerven möchtest, dann tu das.

Du weißt, was RSS-Feeds sind? Dann wird dich diese Nachricht freuen. Briar ist auch ein RSS-Reader, der dich auf dem Laufenden hält. Und das Coolste ist: die Feeds werden über Tor heruntergeladen, sodass niemand mitkriegt, welche Feeds du liest. Du kannst also auch, wenn Papi Zuhause oder der IT-Fuzzi in der Firma am Router mitliest, ohne Angst vor Entdeckung den Blog über besonders krasse Intim-Tatoos verfolgen.

Ich weiß, alle deine Freunde sind bei WhatsApp. Und WhatsApp kann noch viel mehr als Briar: Telefonieren, Sprachnachrichten austauschen, Selfies und Videos versenden. WhatsApp kennt auch deine Telefonnummer und die deiner Freunde. WhatsApp weiß auch, wer mit wem kommuniziert. Und Facebook weiß noch viel mehr über dich. Vielleicht schmeichelt dir das. Vielleicht interessiert sich sonst niemand für deine Vorlieben, deine Träume, deine Wünsche. Facebook macht in einer Stunde mehr Gewinn mit deinen Wünschen und Träumen als du jemals in deinem Leben verdienen wirst.

In Briar sind deine Freunde noch nicht. Aber einer reicht vielleicht, um anzufangen. Gib deine Träume, Wünsche und Vorlieben nicht einfach an Leute weg, die damit bloß Geld machen wollen.

Ursprünglich auf Diaspora veröffentlicht.